Status quo LPG und CNG

In der Talsohle

Noch vor etwa zwei Jahren galten die Kraftstoffe LPG und CNG als günstige Alternativen zum teuren Benzin. Heute interessiert sich kaum ein Autofahrer für sie. Der Hintergrund ist vielschichtig.

Mit seinen Bemühungen, schwarzen Schafen bei Umrüstern und Herstellern von LPG-Kraftstoffanlagen das Handwerk zu legen und die Qualität des Kraftstoffs zu erhöhen, hat sich Peter Ziegler, Vorsitzender des Bundesverbands Freie Gastankstellen (BFG), nicht nur Freunde gemacht – mit seinen Warnungen jedoch recht behalten. Laut KBA-Statistik von Anfang 2012 – jüngere Zahlen liegen noch nicht vor – wurden 2011 lediglich 37.593 LPG-Fahrzeuge neu zugelassen, rund 12.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die diesbezügliche Bestandszahl lag Anfang 2012 bei 456.252. Peter Ziegler: „Auch bei der Neuzulassungszahl des vergangenen Jahres wird sich nach unserer Einschätzung der Abwärtstrend bei LPG-Umrüstungen fortsetzen.“ Sein Fazit ist deshalb ernüchternd: „Solange Gaswirtschaft und Gesetzgeber keine Bereitschaft zeigen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, wird es auch künftig keine Erfolge geben.“

Ein Dorn im Auge sind dem BFG solche LPG-Umrüstanlagen, die nicht den Vorgaben von ECE R115 (mit und ohne Typgenehmigung) und ECE R83 entsprechen und in mehreren Fällen zu Motorschäden und in der Folge zu langwierigen Schadensersatz-Prozessen führten. „Das Vertrauen der Verbraucher wurde durch solche Vorfälle derart geschädigt, dass selbst ECE R115-konforme Nachrüstanlagen mit und ohne Typgenehmigung kaum eine Chance haben, sich auf dem Markt zu behaupten“, fasst Peter Ziegler zusammen. So hat auch Twintec die erst 2010 neu vorgestellte Nachrüstanlage

18 AUTO SERVICE PRAXIS 03/2013www.autoservicepraxis.de

„Twinfuel“ aus wirtschaftlichem Grund aus dem Programm genommen und die Weiterentwicklung eingestellt.

Auch deshalb arbeitet man beim BFG an einer eigenen Nachrüstanlage, und das bereits seit zwei Jahren. „Bei dieser Anlage haben wir alle Fehler ausgemerzt, die zum aktuellen Desaster geführt haben“, betont Peter Ziegler. Die Nachrüstanlage, die für Euro 5 und 6 konzipiert ist, entspricht laut BFG den Vorgaben von ECE 67 R01 und ECE R115 und wurde bereits genehmigt. Um diesen Vorgaben zu entsprechen, mussten einige Bauteile neu entwickelt und zertifiziert werden. So auch ein Sensor, der unterschiedliche LPG-Zusammensetzungen erkennt; im Moment steht noch die Patentierung an. Ein Unternehmen, welches noch nicht genannt werden will, bereitet derzeit die Serienproduktion vor und wird die Anlage, gemeinsam mit dem BFG, in wenigen Wochen präsentieren.

Auch CNG-Zulassungen ernüchternd

„Davon könnte auch die CNG-Nachrüstung profitieren“, meint Peter Ziegler. Nach Ansicht von Birgit Maria Wöber, Mitgeschäftsführerin der Münchener CNG-Beratungsfirma Gibgas, ist das in Deutschland aber kein Thema: „Wenn von CNG-Fahrzeugen die Rede ist, dann meist von OEM-Fahrzeugen.“ Doch auch deren Neuzulassungsbilanz zum 1. Januar 2012 ist ernüchternd, denn laut KBA wurden 2011 lediglich 3.334 CNG-Pkw neu zugelassen. „Die Zurückhaltung der Verbraucher gegenüber CNG-Fahrzeugen ist sicher auch eine Begleiterscheinung des LPG-Desasters“, erklärt Birgit Maria Wöber. „Hauptproblem ist hier aber eine falsche Vermarktung seitens der Marktpartner Gaswirtschaft, Automobilhersteller und -handel.“ Konkret: Der Unterschied zwischen LPG und CNG ist vielen Verbrauchern unklar. Daher werden die Probleme bei LPG zum Teil auch CNG-Fahrzeugen angelastet. Um dem entgegenzuwirken, fordert Birgit Maria Wöber, muss die Vermarktung von CNG-Fahrzeugen neu strukturiert und, damit der Unterschied zu LPG klar wird, der Begriff Erdgas durch das Kürzel CNG oder Methan ersetzt werden.

„Wesentliches Vertrauensinstrument beim Verbraucher ist das Thema Sicherheit“, sagt Oliver Villhauer, technischer Berater von Gibgas, und spricht hier vor allem die Prüfung gasspezifischer Komponenten durch Überwachungsorganisationen an. „Um bei Druckgasbehältern ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten, sollte über einen periodischen Tankwechsel nachgedacht werden. Vorbild könnte Italien sein. Dort müssen CNG-Tanks alle vier oder fünf Jahre erneuert werden.“ Die Prozedur geht dabei, gemäß den gesetzlichen Bestimmungen in Italien, zu Lasten des Gasanbieters ENI Gestione Fondo Bombole Metano. „Fahrzeugeigentümer tragen lediglich Aus-und Einbaukosten in zertifizierten Werkstätten, auch im Fall bei Inspektionen beanstandeter und ersetzter Druckgasbehälter“, erklärt Oliver Villhauer.

Biomethan an 150 Tankstellen

Nach Meinung von Birgit Maria Wöber muss zudem das Thema erneuerbare Energien noch mehr herausgestellt werden. Immerhin verkaufen von den 912 deutschen CNG-Stationen (Stand: 01/ 2013) bereits 150 reines und damit nahezu klimaneutrales Biomethan. Parallel hierzu lässt sich die Anzahl der CNG-Tankstellen in Deutschland auf ca. 2.000 ausbauen, um flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Birgit Maria Wöber: „Die Maßnahme hilft nur, wenn von allen Branchenteilnehmern verstärkte Aufklärung betrieben wird, sonst stagniert oder schrumpft der Markt weiterhin. Das Beispiel LPG zeigt das nur zu deutlich: Trotz 6.500 LPG-Tankstellen in Deutschland wurde das Vertrauen der Verbraucher erheblich erschüttert.“

Auch wenn sich die Gesamtsituation bei LPG und CNG aktuell eher düster darstellt, gibt es doch Hoffnung. Peter Ziegler: „Die Fehler der Vergangenheit sind bekannt. Werden sie korrigiert, ist es möglich, das Verbrauchervertrauen wieder zu erlangen“.

Marcel Schoch

www.autoservicepraxis.deAUTO SERVICE PRAXIS 03/201319

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BFG-Downloads
Facebook
Archive