Manuskript zur Frontal21 Sendung
Manuskript
Beitrag: Ungeprüft und gefährlich-
Gutachter-Pfusch bei Gasautos
Sendung vom 17.November 2009
TÜV und Dekra sind wie Gütesiegel für deutsche Gründlichkeit- Strenge Prüfer, die Autos technisch überwachen. Auch solche, die umgerüstet werden auf den Antrieb mit Flüssiggas. Das sind inzwischen mehr als 300-Tausend. Doch wer zum TÜV fährt, um den Schadstoffausstoß seines Auto vorschriftsmäßig überprüfen zu lassen, ist schnell abgefertigt: Denn manchen Überwachern reicht es, dass sie irgendwann mal einem ähnlichen Auto ein Gutachten verpasst haben. Das kriegt dann einfach auch der nächste: Ein Papier mit einem Pauschal-Urteil, an dem TÜV und Dekra gut verdienen. Auch die Gas-Anlage vieler Autos wird gar nicht erst besichtigt - ein Risiko auf den Straßen, wie Andreas Halbach und Oliver Lauter zeigen.
Text:
Gelockt wird der Käufer mit bunten Bildchen
Mike Weiper hat in seinem BMW eine Autogas-Anlage einbauen lassen, wollte Geld sparen. Doch daraus wurde nichts:
O-Ton Mike Weiper, Autogas-Opfer:
Weil das Auto im Moment ein bisschen zuviel Gas verbraucht. Ich hab einen Gasverbrauch zwischen 30 und 40 Liter auf 100 Kilometer. Und das ist ein bisschen viel.
Ein Verbrauch wie ein Lastwagen. Der enorme Schadstoffausstoß macht den Gas-Pkw zur Dreckschleuder.
Er wandte sich an die Werkstatt, doch es wurde nicht besser. Jetzt hofft Weiper auf Hilfe von seinem BMW-Händler. Der stellt fest: Die Anlage ist zusammengebastelt aus polnischen Billigteilen.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
BMW-Händler: Wie ist denn das, haben sie Unterlagen zu der Anlage bekommen?
O-Ton Mike Weiper, Autogas-Opfer:
Ja ich habe alle Gutachten zugeschickt bekommen, beziehungsweise per Handschlag in die Hand gedrückt bekommen.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
Das wundert mich sehr, weil so eine Anlage absolut nicht eintragungsfähig ist. Und dafür kann eigentlich gar kein Gutachten erstellt werden. Das ist unglaublich, nicht möglich.
Unglaublich, aber wahr. Die Pfusch-Umrüstung ist vom TÜV abgesegnet - „ohne erkennbare Mängel", so das Gutachten.
Der Autohändler kennt viele solcher Fälle: die Gasanlagen funktionieren nicht. Dabei bescheinigt der TÜV all diesen umgerüsteten Fahrzeugen, die Gasanlagen funktionieren einwandfrei.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
Das sind ja keine TÜV-Berichte, das sind ja wahrscheinlich gefälschte TÜV-Berichte. Denn diese Berichte, wo man das Auto nicht prüft, wo das Auto nicht gesehen wird vom TÜV-Beamten, die sind nichts wert.
Nein, solche Gutachten sind meist nicht gefälscht. Sie sind tatsächlich echt, obwohl TÜV - und auch Dekra - in vielen Fällen die Fahrzeuge nie gesehen haben.
Der fragwürdige, aber legale Trick:
Die Prüfungen werden an einem Referenzfahrzeug durchgeführt, heißt es auf den Originalpapieren.
Und das geht so: Irgendwann wird irgendwo ein Gas-Auto getestet. Das Ergebnis wird dann einfach auf tausende andere Autos übertragen, deren Abgase aber niemals überprüft werden.
Und der Referenztest selbst wird sehr großzügig gehandhabt, gilt gleich für viele unterschiedliche Modelle.
Beispiele:
Das TÜV-Gutachten für diesen Ford mit einem kleinen 1,6-Liter-Motor hat dieselbe Prüf-Nummer wie der doppelt so große 3-Liter-Ford mit einem Sechszylinder.
Und dieses TÜV-Abgasgutachten wurde gleich mehrfach vergeben. Einmal für einen Rover und dann mit der selben Registriernummer für einen DaimlerChrysler, dabei sind beide Motoren ganz unterschiedlich.
O-Ton Peter Ziegler Vorsitzender Bundesverband Freie Gastankstellen e.V.:
Man muss sich einmal vorstellen, dass ja in Deutschland circa 300.000 Autos mit Abgasgutachten versehen worden sind, wobei diese Fahrzeuge nie auf ihren tatsächlichen Abgaswert überprüft worden sind. Das heißt, hier haben wir es mit Schreibtisch-Papieren zu tun, und es wird Zeit, dass wir dem ein Ende bereiten.
Der Verband der Einbaubetriebe für Gasanlagen hat bereits beim Petitions- Ausschuss des Bundestages Alarm geschlagen.
____________________________________________________
Anmerkung der Redaktion: Der ursprüngliche Text wurde an dieser Stelle aus rechtlichen Gründen gekürzt.
____________________________________________________
Wir machen selbst eine Stichprobe, lassen in zwei Kleinwagen Gasanlagen einbauen, wollen dann testen, ob die Abgaswerte tatsächlich in Ordnung sind. Schon bei den Einbaubetrieben erhalten wir je ein Abgasgutachten für 380 Euro, das man uns hier mit der Rechnung übergibt.
Damit wird uns bestätigt, dass beide Fahrzeuge die gesetzlichen Abgaswerte einhalten. Wir wollen wissen, ob das stimmt, fragen ganz offiziell nach - auch bei Prüfern von TÜV und Dekra. Doch keiner will die tatsächlichen Abgaswerte überprüfen.
Also geben wir uns als Autohaus aus, drehen mit versteckter Kamera. Beim TÜV Süd lassen wir die Abgaswerte messen. Das Ergebnis - erschreckend:
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Die Werte sind katastrophal. CO2 - 3 Gramm, 1 Gramm ist erlaubt und NOX vor allem, das ist das 10-fache vom Grenzwert. Der zweite Wagen ist ja noch schlimmer, noch schlimmer wie jeder Diesel.
Und dann zeigen wir dem TÜV-Ingenieur die teuren „Referenzgutachten"
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Ja, ja ich weiß wie das läuft. Ich kenn die Probleme. Wenn wir die Fahrzeuge nachmessen ist das oft ne Katastrophe. Die messen ja kein Fahrzeug. Da steht da dann drauf, Abgas unverändert und am Referenzfahrzeug festgestellt oder so ähnlich. Das ist nicht okay.
Von einem anderen TÜV-Insider erfahren wir, dass manche Prüfer mit Massengutachten vom Schreibtisch viel Geld verdienen.
Wir fragen nach beim TÜV Rheinland, der eines unserer Referenz-Gutachten ausgestellt hat. Der Pressesprecher weicht aus, stellt den Abgastest der Kollegen vom TÜV SÜD in Frage.
O-Ton Hartmut Müller-Gerbes, TÜV Rheinland:
Wenn Sie uns den Wagen zur Verfügung stellen, dann können wir das gerne prüfen. Das kann ich so nicht sagen. Und da will ich auch keinem Unrecht tun.
Nur, der Wagen war doch gerade beim TÜV. Der Pressesprecher findet keine passende Erklärung.
Erst Tage später erhalten wir mehrere schriftliche Stellungnahmen des TÜV. Auch hier: keine Antwort auf unserer kritischen Fragen. Zu den Referenzgutachten heißt es nur, Zitat:
„Die Kosten einer solchen Prüfung sind so hoch, dass es keinen Sinn macht, bei jedem einzelnen umgerüsteten Fahrzeug eine solche Prüfung vorzunehmen."
In Ostdeutschland hat die Dekra das Monopol fürs Abkassieren mit den Gas-Gutachten. Ein zugesagtes Interview wird wieder abgesagt. Zum Vorwurf der mafiaähnlichen Zustände heißt es schriftlich, Zitat:
„Die... Vorwürfe waren bereits Thema des Bund-Länder-Fachausschusses ... am 16.09.2009. Den dort getroffenen Feststellungen, dass an den Vorschriften ... kein Änderungsbedarf besteht, ist unsererseits nichts hinzuzufügen."
Kein Änderungsbedarf? Das sieht der Autogas-Sachverständige und ehemalige Motorenentwickler Wolfgang Krause ganz anders. Das Genehmigungsverfahren für nachgerüstete Gas-Fahrzeuge in Deutschland werde häufig zur Farce:
O-Ton Wolfgang Krause, Autogas-Sachverständiger:
Ne dubiose Firma baut es ein, hat ein dubioses TÜV-Gutachten oder Dekra- Gutachten dabei und dann werden die Einbauunterlagen zu einer Sachverständigen-Organisation geschickt, die eine Fernabnahme machen ohne dass Sie sich das Fahrzeug genau angesehen haben. Im Prinzip ist es Betrug am Kunden.
Unter den fragwürdigen Schreibtischgutachten leiden nicht nur die Kunden und die Umwelt.
Die Prüforganisation der freiberuflichen Kfz-Sachverständigen „KÜS" rügte kürzlich in einer Pressemitteilung den zu sorglosen Umgang mit Gasanlagen - auf Kosten der „Verkehrssicherheit".
Beweisfotos zeigen gefährlichen Pfusch beim Einbau
- eine Gasleitung direkt neben dem heißen Auspuffrohr.
- nur dünne Metallbänder zur Sicherung eines Gastanks.
- ein Einfüllstutzen im Kofferraum. oder
- gar undichte Tanks - alles durchgewunken per Referenzgutachten, oft zugeschickt mit der Post.
Wir legen die Fotos dem Sachverständigen vor:
O-Ton Wolfgang Krause, Autogas-Sachverständiger:
Ja okay, der absolute Kardinalfehler, die Gasleitung unheimlich dicht am Auspuff verlegt. Das dürfte eigentlich keinem Lehrling passieren. Vor allem, jeder Sachverständige, der das Fahrzeug abgenommen hätte, der hätte drüber stolpern müssen.
Oh, das ist aber auch hier ne nette Sache, die Betankung im Kofferraum. Beim Betanken kann etwas Gas in den Kofferraum gelangen und beim ersten Blinken oder wenn ein Licht angeht, kann es zur Explosion kommen.
Lebensgefahr durch Pfusch beim Einbau. Wir fahren unseren Testwagen zur routinemäßigen TÜV-Abnahme, zeigen unser Referenzgutachten, drehen mit versteckter Kamera.
Der Prüfer schaut kurz unsere neue Gasanlage an - und lässt es gut sein. Die Abgaswerte interessieren nicht. Begründung::
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Wir können doch nicht jedes einzelne Fahrzeug messen.
Zuständig für die Kontrolle von TÜV und Dekra sind die Landesverkehrsminister. Keiner will mit uns reden, auch nicht in Nordrhein-Westfalen. Schriftlich heißt es nur, Zitat:
„Werden ... dem Ministerium Einzelvorgänge bekannt, geht es diesen gemeinsam mit der Leitung des TÜV nach..."
Die Prüforganisationen sollen sich also selbst prüfen. Das Millionengeschäft mit Schein-Gutachten auf Kosten von Sicherheit und Umwelt geht ungestört weiter.
Abmoderation:
Eigentlich lässt das Gesetz solche Pauschal-Gutachten nur in Ausnahmefällen zu. TÜV und Dekra aber haben es offenbar zur Regel gemacht.
Zur Beachtung: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Der vorliegende Abdruck ist nur zum privaten Gebrauch des Empfängers hergestellt. Jede andere Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Urheberberechtigten unzulässig und strafbar. Insbesondere darf er weder vervielfältigt, verarbeitet oder zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden. Die in den Beiträgen dargestellten Sachverhalte entsprechen dem Stand des jeweiligen Sendetermins
Beitrag: Ungeprüft und gefährlich-
Gutachter-Pfusch bei Gasautos
Sendung vom 17.November 2009
Von Andreas Halbach und Oliver Dauter
Anmoderation:TÜV und Dekra sind wie Gütesiegel für deutsche Gründlichkeit- Strenge Prüfer, die Autos technisch überwachen. Auch solche, die umgerüstet werden auf den Antrieb mit Flüssiggas. Das sind inzwischen mehr als 300-Tausend. Doch wer zum TÜV fährt, um den Schadstoffausstoß seines Auto vorschriftsmäßig überprüfen zu lassen, ist schnell abgefertigt: Denn manchen Überwachern reicht es, dass sie irgendwann mal einem ähnlichen Auto ein Gutachten verpasst haben. Das kriegt dann einfach auch der nächste: Ein Papier mit einem Pauschal-Urteil, an dem TÜV und Dekra gut verdienen. Auch die Gas-Anlage vieler Autos wird gar nicht erst besichtigt - ein Risiko auf den Straßen, wie Andreas Halbach und Oliver Lauter zeigen.
Text:
Gelockt wird der Käufer mit bunten Bildchen
Mike Weiper hat in seinem BMW eine Autogas-Anlage einbauen lassen, wollte Geld sparen. Doch daraus wurde nichts:
O-Ton Mike Weiper, Autogas-Opfer:
Weil das Auto im Moment ein bisschen zuviel Gas verbraucht. Ich hab einen Gasverbrauch zwischen 30 und 40 Liter auf 100 Kilometer. Und das ist ein bisschen viel.
Ein Verbrauch wie ein Lastwagen. Der enorme Schadstoffausstoß macht den Gas-Pkw zur Dreckschleuder.
Er wandte sich an die Werkstatt, doch es wurde nicht besser. Jetzt hofft Weiper auf Hilfe von seinem BMW-Händler. Der stellt fest: Die Anlage ist zusammengebastelt aus polnischen Billigteilen.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
BMW-Händler: Wie ist denn das, haben sie Unterlagen zu der Anlage bekommen?
O-Ton Mike Weiper, Autogas-Opfer:
Ja ich habe alle Gutachten zugeschickt bekommen, beziehungsweise per Handschlag in die Hand gedrückt bekommen.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
Das wundert mich sehr, weil so eine Anlage absolut nicht eintragungsfähig ist. Und dafür kann eigentlich gar kein Gutachten erstellt werden. Das ist unglaublich, nicht möglich.
Unglaublich, aber wahr. Die Pfusch-Umrüstung ist vom TÜV abgesegnet - „ohne erkennbare Mängel", so das Gutachten.
Der Autohändler kennt viele solcher Fälle: die Gasanlagen funktionieren nicht. Dabei bescheinigt der TÜV all diesen umgerüsteten Fahrzeugen, die Gasanlagen funktionieren einwandfrei.
O-Ton Franjo Cyran, BMW-Händler:
Das sind ja keine TÜV-Berichte, das sind ja wahrscheinlich gefälschte TÜV-Berichte. Denn diese Berichte, wo man das Auto nicht prüft, wo das Auto nicht gesehen wird vom TÜV-Beamten, die sind nichts wert.
Nein, solche Gutachten sind meist nicht gefälscht. Sie sind tatsächlich echt, obwohl TÜV - und auch Dekra - in vielen Fällen die Fahrzeuge nie gesehen haben.
Der fragwürdige, aber legale Trick:
Die Prüfungen werden an einem Referenzfahrzeug durchgeführt, heißt es auf den Originalpapieren.
Und das geht so: Irgendwann wird irgendwo ein Gas-Auto getestet. Das Ergebnis wird dann einfach auf tausende andere Autos übertragen, deren Abgase aber niemals überprüft werden.
Und der Referenztest selbst wird sehr großzügig gehandhabt, gilt gleich für viele unterschiedliche Modelle.
Beispiele:
Das TÜV-Gutachten für diesen Ford mit einem kleinen 1,6-Liter-Motor hat dieselbe Prüf-Nummer wie der doppelt so große 3-Liter-Ford mit einem Sechszylinder.
Und dieses TÜV-Abgasgutachten wurde gleich mehrfach vergeben. Einmal für einen Rover und dann mit der selben Registriernummer für einen DaimlerChrysler, dabei sind beide Motoren ganz unterschiedlich.
O-Ton Peter Ziegler Vorsitzender Bundesverband Freie Gastankstellen e.V.:
Man muss sich einmal vorstellen, dass ja in Deutschland circa 300.000 Autos mit Abgasgutachten versehen worden sind, wobei diese Fahrzeuge nie auf ihren tatsächlichen Abgaswert überprüft worden sind. Das heißt, hier haben wir es mit Schreibtisch-Papieren zu tun, und es wird Zeit, dass wir dem ein Ende bereiten.
Der Verband der Einbaubetriebe für Gasanlagen hat bereits beim Petitions- Ausschuss des Bundestages Alarm geschlagen.
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Anmerkung der Redaktion: Der ursprüngliche Text wurde an dieser Stelle aus rechtlichen Gründen gekürzt.
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Wir machen selbst eine Stichprobe, lassen in zwei Kleinwagen Gasanlagen einbauen, wollen dann testen, ob die Abgaswerte tatsächlich in Ordnung sind. Schon bei den Einbaubetrieben erhalten wir je ein Abgasgutachten für 380 Euro, das man uns hier mit der Rechnung übergibt.
Damit wird uns bestätigt, dass beide Fahrzeuge die gesetzlichen Abgaswerte einhalten. Wir wollen wissen, ob das stimmt, fragen ganz offiziell nach - auch bei Prüfern von TÜV und Dekra. Doch keiner will die tatsächlichen Abgaswerte überprüfen.
Also geben wir uns als Autohaus aus, drehen mit versteckter Kamera. Beim TÜV Süd lassen wir die Abgaswerte messen. Das Ergebnis - erschreckend:
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Die Werte sind katastrophal. CO2 - 3 Gramm, 1 Gramm ist erlaubt und NOX vor allem, das ist das 10-fache vom Grenzwert. Der zweite Wagen ist ja noch schlimmer, noch schlimmer wie jeder Diesel.
Und dann zeigen wir dem TÜV-Ingenieur die teuren „Referenzgutachten"
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Ja, ja ich weiß wie das läuft. Ich kenn die Probleme. Wenn wir die Fahrzeuge nachmessen ist das oft ne Katastrophe. Die messen ja kein Fahrzeug. Da steht da dann drauf, Abgas unverändert und am Referenzfahrzeug festgestellt oder so ähnlich. Das ist nicht okay.
Von einem anderen TÜV-Insider erfahren wir, dass manche Prüfer mit Massengutachten vom Schreibtisch viel Geld verdienen.
Wir fragen nach beim TÜV Rheinland, der eines unserer Referenz-Gutachten ausgestellt hat. Der Pressesprecher weicht aus, stellt den Abgastest der Kollegen vom TÜV SÜD in Frage.
O-Ton Hartmut Müller-Gerbes, TÜV Rheinland:
Wenn Sie uns den Wagen zur Verfügung stellen, dann können wir das gerne prüfen. Das kann ich so nicht sagen. Und da will ich auch keinem Unrecht tun.
Nur, der Wagen war doch gerade beim TÜV. Der Pressesprecher findet keine passende Erklärung.
Erst Tage später erhalten wir mehrere schriftliche Stellungnahmen des TÜV. Auch hier: keine Antwort auf unserer kritischen Fragen. Zu den Referenzgutachten heißt es nur, Zitat:
„Die Kosten einer solchen Prüfung sind so hoch, dass es keinen Sinn macht, bei jedem einzelnen umgerüsteten Fahrzeug eine solche Prüfung vorzunehmen."
In Ostdeutschland hat die Dekra das Monopol fürs Abkassieren mit den Gas-Gutachten. Ein zugesagtes Interview wird wieder abgesagt. Zum Vorwurf der mafiaähnlichen Zustände heißt es schriftlich, Zitat:
„Die... Vorwürfe waren bereits Thema des Bund-Länder-Fachausschusses ... am 16.09.2009. Den dort getroffenen Feststellungen, dass an den Vorschriften ... kein Änderungsbedarf besteht, ist unsererseits nichts hinzuzufügen."
Kein Änderungsbedarf? Das sieht der Autogas-Sachverständige und ehemalige Motorenentwickler Wolfgang Krause ganz anders. Das Genehmigungsverfahren für nachgerüstete Gas-Fahrzeuge in Deutschland werde häufig zur Farce:
O-Ton Wolfgang Krause, Autogas-Sachverständiger:
Ne dubiose Firma baut es ein, hat ein dubioses TÜV-Gutachten oder Dekra- Gutachten dabei und dann werden die Einbauunterlagen zu einer Sachverständigen-Organisation geschickt, die eine Fernabnahme machen ohne dass Sie sich das Fahrzeug genau angesehen haben. Im Prinzip ist es Betrug am Kunden.
Unter den fragwürdigen Schreibtischgutachten leiden nicht nur die Kunden und die Umwelt.
Die Prüforganisation der freiberuflichen Kfz-Sachverständigen „KÜS" rügte kürzlich in einer Pressemitteilung den zu sorglosen Umgang mit Gasanlagen - auf Kosten der „Verkehrssicherheit".
Beweisfotos zeigen gefährlichen Pfusch beim Einbau
- eine Gasleitung direkt neben dem heißen Auspuffrohr.
- nur dünne Metallbänder zur Sicherung eines Gastanks.
- ein Einfüllstutzen im Kofferraum. oder
- gar undichte Tanks - alles durchgewunken per Referenzgutachten, oft zugeschickt mit der Post.
Wir legen die Fotos dem Sachverständigen vor:
O-Ton Wolfgang Krause, Autogas-Sachverständiger:
Ja okay, der absolute Kardinalfehler, die Gasleitung unheimlich dicht am Auspuff verlegt. Das dürfte eigentlich keinem Lehrling passieren. Vor allem, jeder Sachverständige, der das Fahrzeug abgenommen hätte, der hätte drüber stolpern müssen.
Oh, das ist aber auch hier ne nette Sache, die Betankung im Kofferraum. Beim Betanken kann etwas Gas in den Kofferraum gelangen und beim ersten Blinken oder wenn ein Licht angeht, kann es zur Explosion kommen.
Lebensgefahr durch Pfusch beim Einbau. Wir fahren unseren Testwagen zur routinemäßigen TÜV-Abnahme, zeigen unser Referenzgutachten, drehen mit versteckter Kamera.
Der Prüfer schaut kurz unsere neue Gasanlage an - und lässt es gut sein. Die Abgaswerte interessieren nicht. Begründung::
(Originaltext nachgesprochen, Wortprotokoll):
Wir können doch nicht jedes einzelne Fahrzeug messen.
Zuständig für die Kontrolle von TÜV und Dekra sind die Landesverkehrsminister. Keiner will mit uns reden, auch nicht in Nordrhein-Westfalen. Schriftlich heißt es nur, Zitat:
„Werden ... dem Ministerium Einzelvorgänge bekannt, geht es diesen gemeinsam mit der Leitung des TÜV nach..."
Die Prüforganisationen sollen sich also selbst prüfen. Das Millionengeschäft mit Schein-Gutachten auf Kosten von Sicherheit und Umwelt geht ungestört weiter.
Abmoderation:
Eigentlich lässt das Gesetz solche Pauschal-Gutachten nur in Ausnahmefällen zu. TÜV und Dekra aber haben es offenbar zur Regel gemacht.
Zur Beachtung: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Der vorliegende Abdruck ist nur zum privaten Gebrauch des Empfängers hergestellt. Jede andere Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Urheberberechtigten unzulässig und strafbar. Insbesondere darf er weder vervielfältigt, verarbeitet oder zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden. Die in den Beiträgen dargestellten Sachverhalte entsprechen dem Stand des jeweiligen Sendetermins




